Herrmann-Pillath, C ~ Grundriß der Evolutionsökonomik

Herrmann-Pillath, Carsten
2002
Grundriß der Evolutionsökonomik

27
Definition-evolutionary economics:
Das wirtschaftliche Grundproblem ist die Koordination der Bedürfnisbefriedigung autonom handelnder Individuen in einem Zustand des Unwissens. Dieses Unwissen betrifft auch die Frage der Vorzugswürdigkeit unterschiedlicher Koordinationsmechanismen zur Lösung bestimmter Probleme. Ein funktionsfähiges und viables System von Koordinationsmechanismen ist eine „Ordnung“. Die Evolutionsökonomik befasst sich also mit der Frage, wie Ordnung in menschlichen Gesellschaften entsteht und erhalten bleibt. Ihre wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen verstehen sich dementsprechend prinzipiell als Ordnungspolitik, d.h. im Zustand fundamentalen Unwissens werden keine Konzepte direkter Steuerung entwickelt, sondern Konzepte der Ermöglichung von Selbstorganisation und -koordination.

29
“Wirtschaftswissenschaft [ist] ohne transdisziplinäre Öffnung gar nicht denkbar.”

262
“Strukturen sind in der Zeit stabile Konfigurationen von Elementen und Aktoren: Sie sind der Reflex zeitlicher Ordnungen in materiell-energetischen Prozessen und von Transaktionen in Netzwerken.”
“Strukturen sind Regelmäßigkeiten in Netzwerken und materiell-energetischen Prozessen, also wiederkehrende Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.”

269
Institutionen sind Konfigurationen von Netzwerken, die bestimmte Verläufe von Transaktionen gegenüber anderen auszeichnen, und in der Zeit stabil sind.

313
“Manchmal ist auch die „Technologie“ einer Gesellschaft in ihrer Gesamtheit angesprochen, was wir hier nicht nachvollziehen wollen.”
Definition-Basistechnologie:
Eine Basistechnologie ist ein Korrelat zwischen einer Klasse von Artefakten und einem allgemeinen Bauprinzip (zum Beispiel alle Verbrennungsmotoren). […]

325f

  1. Entstehungsphase
  2. Verbreitungsphase “Es setzt sich ein sogenanntes „dominant design“ durch. (p. 326)”
  3. Stabilisierung und Obsoleszenz

327
Bei der Anwendung des VSB (VSR auf Englisch)-Paradigmas wird “eine Technologie […] als ein Wissen betrachtet, das durch die relativen Erfolge bei der Lösung bestimmter Probleme selektiert wird. Diese Probleme werden nachfrageseitig definiert und bestimmen die Leistungen, die Technologien erbringen sollen.”
Die Koordination des Wissens zwischen Anwendung und Produktion von Technologie ist ein VSB-Prozeß, bei dem nachfrageseitig das Wissen um Problemstellungen die Selektionsumgebung für Variationen des technologischen Wissens darstellt. Die Nachfrageseite ist also prinzipiell ein Mechanismus äußerer Selektion. Wir können dann die Basistechnologien als Mechanismen innerer Selektion auffassen. Konkrete Anwendungen ergeben sich dann aus dem Wechselspiel zwischen innerer und äußerer Selektion der Technologie. Technologische Paradigmata entsprechen technologischen Entwicklungspfaden im Möglichkeitsraum aller Technologien.
“Es ist aber in jedem Fall wichtig zu notieren, daß die Diffusion von Technologien also maßgeblich durch die Entdeckung von Problemen bestimmt auch ist bzw. durch ihre tatsächliche Beanspruchung zur Lösung von Problemen.”

328
“Es kann geschehen, das prinzipiell vorhandenes technologisches Wissen nicht umgesetzt wird, weil entweder der Problemlösungsbedarf nicht gegeben ist oder weil die gegebene gesellschaftliche Struktur nicht geeignet ist, um den Bedarf zu artikulieren.” -> EA is working on getting out of this problem. People have to learn what EA is and how to consumer it.
“Technologien können aber auch neue Probleme erst definieren, also auch nachfrageseitig in dem Sinne Neuheit erzeugen, daß die Leistungen selbst erst entdeckt werden. Das heisst, die „Umwelt“ ist nicht vollständig unabhängig von der Erzeugung von Technologien.” -> EA has to define the problem to which it is the solution.

328f
“Umgekehrt muß ein Produzent einer Technologie auch in der Lage sein, Probleme der Anwender zu erkennen, die diese selbst nicht kennen.
Generell gilt für alle Technologien, daß eine prinzipielle Differenz besteht zwischen dem generischen Wissen der Technologie und dem kontextsensitiven Wissen, das in konkreten und lokalen Anwendungen mit diesem generisches Wissen korrliert sein muß.” That the technology is there does not mean it will be used.

331
“Das Konzept der Basistechnologie bezieht sich auf grundlegende Merkmale der Herstellung und Funktionalität von Technologien. Technologien weisen ein in der Zeit stabiles Grundmuster ihrer Konstruktionen und Problemlösungen auf, wie etwa das Prinzip „Verbrennungsmotor“.”

334

Mikro- und Makrovarietät in der technologischen Entwicklung

338
“Die Geschichte lehrt, daß die Ablehnung neuer Technologien häufig durch die Angst vor der Entwertung der eigenen Fähigkeiten entsteht. Ein Beispiel sind die Ludditen des 19. Jhs.”
Technologie-spezifische Anwender-Wissensbasis => “Diese strukturelle Kopplung zwischen dem Wissen, das dem Artefakt innewohnt, und dem Wissen, das die Anwender entwickeln, kann erhebliche Barrieren für den Eintritt einer neuen Technologie schaffen, weil die Anwender nicht motiviert sind, ihre Wissensbasis zu entwerten und in die Entwicklung einer neuen zu investieren.”

342
“”Ein damit zusammenhängendes, in der neoklassischen Institutionenökonomik vielverwendetes Argument zum Zusammenhang zwischen Technologie und Organisation bezieht sich auf die schon angesprochene Möglichkeit, daß die Technologie komplementäre Investitionen voraussetzt, die in dem Sinne spezifisch sind, daß sie nur für diese Technologie und bestimmte ihrer Anwendungen nutzbar sind. Dies können spezielle Fertigungsmaschinen sein oder auch das schon betrachtete spezifische Humankapital. Solche Investitionen mit sogenannter hoher „asset specifity“ werden nur geleistet, wenn für die Zukunft Erwartungssicherheit dahingehend besteht, daß tatsächlich auch der Einsatz erfolgt.”

345

Innere und äußere Selektion von Technologien und Organisationen

Innere und äußere Selektion von Technologien und Organisationen

347
gerade in Anfangsphasen von Innovationen besteht die Funktion des Unternehmers darin, technologiespezifische Transaktionen zu institutionalisieren. Dabei gehen Unternehmer typischerweise zunächst von idiosynkratischen, also singulären Beziehungen in Netzwerken aus (etwa bei der Finanzierung, die in besonderem Masse auf Vertrauen beruhen muß).
Gleichzeitig kreiiert der Unternehmer Interpretationen von Technologie. Dies können Rekombinationen vorhandener Technologie sein, also durchaus die eigentliche Erfindertätigkeit. Ökonomisch bedeutsamer ist jedoch die Interpretation von Technologie im Wissen über Nutzungsmöglichkeiten. Der Unternehmer erzeugt entweder dieses Wissen erst beim Nutzer oder er kombiniert vorhandenes Wissen neu. Das verdeutlicht, daß unternehmerisches Handeln in hohem Masse kommunikatives Handeln sein muß, und weniger materiell-energetisch gestaltend.”

386
“die letztendliche Bestimmung von Macht [kann] nur unter Bezug auf konkrete Wirtschaftssysteme geschehen […]. Macht verändert ihren Charakter im Laufe der Evolution von Wirtschaftssystemen. Zudem sind die Interdependenzen zwischen den verschiedenen Strukturen entscheidend für die Einschätzung von Machtstrukturen: Macht stabilisiert Institutionen, muß aber umgekehrt auch institutionalisiert sein. Diese Zusammenhänge können wir nur im Rahmen des Konzeptes der „Ordnung“ begreifen, das sich auf die Struktur der Strukturen von Macht, Institutionen und Technologie bezieht.”

About the author

Woitek Konzal

Producer, Consultant, Lecturer & Researcher. I love working where technology meets media in novel ways. Once, I even won an Emmy for digital innovation doing that. Be it for a small but exciting campaign about underground electronic music collectives or for a monster project combining two movies, various 360° videos, 72 ARG-like mini puzzles, and a Unity game, all wrapped up in one cross-platform app – I have proven my ability to adapt to what is required. This passion for novel technologies has regularly allowed me to cross paths with tech startups – an industry and philosophy I am all set to engage with more. I intensely enjoy balancing out my practical work with academic research, teaching, and consulting. Also, I have a PhD in Creative Industries, a M.Sc. in Business Administration, and love to kitesurf.

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